Musée de la Métallurgie Ardennaise

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Die Geschichte der Grosse Boutique

Die „Grosse Boutique“ war eine Besonderheit des Maastals. Sie umfasste eine ganze Reihe von „Boutiquen“, d. h. Werkstätten, die sich ganz in der Nähe der Arbeiterwohnungen befanden. Die „Grosse Boutique“ war der Vorläufer der eigentlichen Fabriken.

Die „Grosse Boutique“, die das kleine Tal von Bogny einnimmt, ist hier in ihrer Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg fotografiert. Damals beschäftigte sie mehrere hundert Menschen, hatte einen eigenen Eisenbahnanschluss und sogar eine Niederlassung in Sankt Petersburg; sie war die größte Schraubenfabrik der Ardennen. Auf den Abbildungen sehen Sie einige Artikel aus dem Katalog. Vor allem stellte die „Grosse Boutique“ Verankerungsbolzen, Eisenbeschläge, Ringschrauben und Nieten für die Eisenbahn und den Maschinen- und Anlagenbau her. Sie beschäftigte Arbeitskräfte aus der Gegend; nach Ende der gesetzlichen Schulzeit arbeiteten hier Söhne und Töchter an der Seite ihrer Väter und Mütter. Ein Großteil der Einwohner des Ortes lebte damals von der Schraubenfabrik.

Um die Arbeiter, insbesondere die von Auswärts gekommenen, an den Betrieb zu binden, und auch, um sie unter Kontrolle zu halten, ließen die Besitzer der „Grosse Boutique“, Maré und Gérard, zwischen 1880 und 1910 über hundert Arbeiterhäuschen bauen – so in der verblüffenden Rue de l'Echelle – „Leiterstraße“ – mit genau gleichen Häusern auf beiden Seiten einer Steigung, die sozusagen die Sprossen einer Leiter bilden.

Dieses lebenerfüllte Arbeiterviertel hallte wider vom Lärm spielender Kinder und Gesprächen am Waschplatz. Den Rhythmus des sehr kosmopolitischen Lebens in Solidarität und guter Nachbarschaft gab die Sirene der „Grosse Boutique“ an. Die Frauen kauften im öffentlichen Lagerhaus der „Grosse Boutique“ ein, das heißt der Verkaufsstelle für Betriebsangehörige. Sie bezahlten mit Marken, deren Gegenwert direkt vom Lohn einbehalten wurde. Außerdem eröffnete die „Grosse Boutique“ 1898 eine Krippe für Kleinkinder von Arbeiterinnen. Für deren Betrieb waren fünf Nonnen zuständig: Überwachung der Kinder im „Asylraum“, Nadelarbeiten im Werkraum, und jedes Neugeborene hatte Anspruch auf eine Erstausstattung, ärztliche Betreuung und Hausbesuche. All diese Gebäude, von denen die meisten noch stehen, zeugen vom zeittypischen Paternalismus.

© 2018Musée de la Métallurgie Ardennaise - Tous droits réservés. Textes René COLINET